Ein Siegel für das Marikom

Elsfleth. Das Maritime Kompetenzzentrum auf dem Campus ist auf dem besten Weg, sich zu einem überregional bedeutenden Aus- und Weiterbildungsstandort zu entwickeln. Jetzt hat die Einrichtung, in der unter anderem junge Menschen zu Schiffsmechanikern ausgebildet werden, einen weiteren Schritt in diese Richtung getan: Das Marikom ist als anerkannter Bildungsträger nach AZWV zertifiziert worden. Von Kathrin Weigert (Quelle: Kreiszeitung Wesermarsch)

AZWV ist die Abkürzung für Anerkennungs- und Zulassungsverordnung Weiterbildung. Ist ein Bildungsträger mit diesem Siegel ausgestattet, fördert die Agentur für Arbeit bestimmte, dort angebotene Weiterbildungsmaßnahmen. Für das Marikom bedeutet das konkret: „Wir können nun auch Arbeitslose qualifizieren“, freut sich Geschäftsführer Rainer Schmele.

Speziell zugeschnitten

„Schon öfters bekamen wir Anfragen von Arbeitslosen, die sich hier weiterbilden wollten. Und wir haben ja häufig noch den ein oder anderen freien Platz in unseren Kursen“, sagt Rainer Schmele. Doch bisher hieß es dazu von der Agentur für Arbeit nur: Es fehlt das entsprechende Zertifikat. Das hat das Marikom nun Ende vergangenen Jahres erhalten – nach aufwändiger Prüfung und vielen Voraussetzungen, die dafür erfüllt werden mussten. Innerhalb von drei Monaten hat das Team von Rainer Schmele und dessen Assistentin Anja Ahlers dieses Verfahren über die Bühne gebracht. „Dazu mussten alle Prozessabläufe durchleuchtet werden, Lehrpläne erstellt werden“, erläutert Projektkoordinatorin Anja Ahlers. Nun ist das Maritime Kompetenzzentrum bereit, die ersten Kurse können starten.

Bewerben können sich Interessierte, die derzeit keinen Job haben, direkt beim Marikom. Voraussetzung ist ein Bildungsgutschein, den sie von ihrem Arbeitsvermittler bekommen. Darin wird der Inhalt der Maßnahme beschrieben, den Bildungsträger kann sich der Arbeitslose dann selbst aussuchen. Hat sich die Arbeitsagentur zur Förderung entschieden, übernimmt sie alle Kosten dieser Weiterbildung.

Auf dem Maritimen Campus sind zunächst sechswöchige Kurse geplant – zugeschnitten auf die Bedürfnisse der Kursteilnehmer. Anja Ahlers nennt ein Beispiel: „Der Basic Safety-Lehrgang nach STCW 95 dauert eigentlich zwei Wochen. Wir stricken daraus einen sechswöchigen Kursus.“ Eines der großen Pfunde des Maritimen Kompetenzzentrums ist die Flexibilität. Die Einrichtung verfügt über einen Pool von rund 30 freien Dozenten. So können je nach Bedarf Kurse angeboten werden – vom Sicherheitslehrgang nach dem internationalen STCW-Übereinkommen, das die Normen für die Ausbildung, die Erteilung von Befähigungszeugnissen und den Wachdienst von Seeleuten regelt, bis zum Elektroschweißen, vom maritim-technischen Englisch bis zur Offshore-Feuerbekämpfung. All dieses Wissen kann nun auch als Weiterbildung für Arbeitslose angeboten werden. Viele Menschen mit technischem Hintergrund setzen ihre Hoffnungen in den Offshore-Bereich, doch es fehlt ihnen an der nötigen Qualifikation.

Das Marikom wird die Kursteilnehmer nach sechs Wochen aber nicht nur mit einer Urkunde entlassen: „Wir begleiten sie noch sechs Monate weiter. Sie können uns jederzeit anrufen“, sagt Anja Ahlers. „Und wenn wir von einem Jobangebot hören, melden wir uns bei ihnen. Oberstes Ziel ist der erste Arbeitsmarkt.“

Die Zertifizierung nach AZWV öffnet dem Marikom neue Türen. Denn die Agentur für Arbeit hat mit der Einrichtung noch mehr vor. „Uns schweben Maßnahmen über eine Dauer von bis zu sechs Monaten vor – sowohl zum Offshore-Servicetechniker, der die Anlagen wartet, als auch zur Fachkraft, die auf dem Schiff zwischen Hafen und Offshore-Anlagen unterwegs ist“, erläutert Heinz Rimkus, beim Oldenburger Bezirk der Arbeitsagentur zuständig für die Weiterbildung.

Rainer Schmele und seinem Team kann das nur recht sein. „Unser Ziel ist es, uns zum Fort- und Weiterbildungszentrum zu entwickeln, in dem Qualität einen sehr hohen Stellenwert hat“, sagt Rainer Schmele.



eingepflegt am: 20.09.2011