Die ersten Kurse sollen im Juli starten

Von Kathrin Weigert

Seit Anfang Juni ist der Landkreis alleiniger Mieter des Maritimen Trainingszentrums Wesermarsch, hat damit als Übergangslösung praktisch die Betreiberrolle übernommen, die bisher die Bota innehatte. Vorrangig sollen in der Übungsschwimmhalle und am Kransimulator die Schiffsmechaniker ausgebildet werden.

Marikom erweitert Angebot

Die Maritime Kompetenzzentrum gGmbH (Marikom) bietet als Partner des Landkreises Trainingskurse für die Windbranche in jenen Zeiten an, in denen die Berufsbildende Schule das Gebäude nicht nutzt. „Das Marikom erweitert praktisch sein Kursangebot“, sagt Anja Ahlers, die als Betriebsleiterin beim MTZW eingesetzt wurde. Neben den Sicherheitslehrgängen nach internationalen Standards (STCW 95), Seminaren in der Seenotrettung und Weiterbildungen im Metallbereich kommen beim Marikom nun also unter anderem Kurse in der Notwasserung und Lehrgänge für Kranfahrer hinzu. Derzeit werden alle Dozenten mit den neuen Anlagen vertraut gemacht, Mitarbeiter von Rheinmetall, die den Kransimulator entwickelt haben, nehmen diesen in Betrieb. „Ab 1. Juli können die ersten Trainingkurse starten“, sagt Anja Ahlers. Die Nachfrage danach nehme immer mehr zu.

Plötzlich beginnt es zu regnen

Gestern bekamen die ersten Besucher einen Einblick davon, was schon in wenigen Wochen Alltag sein soll. Rund 30 Teilnehmer der Konferenz Windkraft 2011, die derzeit in Bremerhaven stattfindet, machten einen Abstecher in die Wesermarsch, besuchten neben Elsfleth auch NSW in Nordenham, Fassmer in Berne und J. Müller in Brake. Für die Konferenzteilnehmer fuhr das Team vom Marikom alles auf: In der Übungsschwimmhalle wird es dunkel. Plötzlich ist ein Röhren zu hören, immer höher schlagen die Wellen an den Beckenrand. Dann zucken Blitze durch die Halle, es fängt an zu regnen. Dozenten der BBS, die derzeit ihre Einweisung in die neuen Anlagen bekommen, demonstrierten eine Aktion mit zwei Rettungsinseln.

„Fantastisch für kleine Stadt“

Die Gäste aus dem gesamten europäischen Ausland waren begeistert von dem, was in Elsfleth entstanden ist. Auch von der Krananlage, die vor 14 Tagen in Betrieb genommen wurde und an der das Zusammenspiel an zwei Kränen simuliert werden kann. „Das ist absoult neuartig“, schwärmt Andreas Ebben, Ausbilder an der Krananlage. „Wir können zum Beispiel trainieren, wie eine 500 Tonnen schwere Autofähre an zwei Kränen angehoben wird.“ Ein Kran kann in der Simulation bis zu 770 Tonnen heben. Die Anlage ist komplett ausgerüstet, mit eigenem Arbeitsplatz für den Ladungsoffzier, der über einen Touchscreen dem Kranführer die im Hafen üblichen Zeichen geben kann. Der Kranführer sitzt in einer Kabine vor einer großen Projektionsfläche als Halbkuppel und spürt die Bewegungen des Schiffes unter sich. „Die Projektionsfläche ist acht Meter hoch. Zehn Hochleistungsbeamer erzeugen ein Bild. Wenn die gesamte Anlage mit beiden Simulatoren in Betrieb ist, laufen 50 Computer, 30 Bildschirme und 20 Beamer“, zählt Andreas Ebben auf.

Für einige der Konferenzteilnehmer aus Bremerhaven war das völlig neu, andere kennen sich bereits damit aus. So wie Søren Pedersen. Der Däne arbeitet bei Palfinger in Österreich, ein Unternehmen, das Kräne unter anderem für Offshore-Plattformen herstellt. „Es ist immer gut, wenn man Zusammenarbeit trainieren kann. In der Praxis muss es dann klappen, da kann man nicht ausprobieren“, sagt Søren Pedersen. Er kommt aus Esbjerg, dort gibt es ebenfalls eine Anlage mit Helikopter an der Decke eines Schwimmbads. Søren Pedersen weiß daher auch, welche Bedeutung so eine Einrichtung für das Umfeld hat: „Gerade für eine so kleine Stadt ist das fantastisch und gut für das Leben und den Zusammenhalt hier. Wenn die Schule das gut macht und viel auf die Beine stellt, profitieren alle davon.“

Quelle: Kreiszeitung Wesermarsch



eingepflegt am: 20.09.2011