Eine glühende Leidenschaft

Karl-Heinz Brand ist Dozent für den Metallbaubereich und unterrichtet normalerweise angehende Schiffsmechaniker. In diesem Kursus hat es der 48-Jährige mit Handwerkern, Lehrern, Büroangestellten oder Rentnern zu tun.

Sie alle sind gekommen, um das Elektroschweißen zu lernen. „Manche kaufen sich im Baumarkt ein Schweißgerät, probieren es aus und wollen jetzt noch die Feinheiten erlernen“, sagt Karl-Heinz Brand. Dass das Elektroschweißen die kostengünstigste und auch sicherste Art des Schweißens ist, interessiert die Teilnehmer wenig. Was man mit dem Gerät anstellen kann, schon mehr: Geschweißt werden könne fast alles, vom Rankgitter im Blumenbeet über Kunstwerke aus Schrott bis hin zu Fahrzeugteilen an Oldtimern, erklärt Brand.

Insgesamt zehn Hobby-Schweißer wollen lernen, was mit dem Gerät möglich ist. Einer von ihnen ist Christa Patzke aus Großenmeer. Was bringt eine Frau dazu, sich am Wochenende im Elektroschweißen zu versuchen? Christa Patzke lächelt: „Ich bastele schon seit einiger Zeit Hochzeitskränze und brauche dafür Metallgestelle. Die sind im Einkauf zu teuer, weil es nur eine Firma gibt, die sie herstellt“, sagt die Großenmeererin. „Jetzt lerne ich eben Schweißen und kann die Gestelle künftig selber herstellen. Und günstiger ist es auch noch.“ Kritisch lugt ihr Ausbilder Brand über die Schulter und kontrolliert die soeben geschweißten Probenähte. Besonders hilfreich sei es, dass man sich in der Gruppe austauschen könne. „So lernen alle voneinander“, findet Christa Patzke.

Bis zu 15 Personen können in der Werkstatt gleichzeitig schweißen lernen. Geübt wird in speziellen Einzelkabinen. Aus einer der abgedunkelten Kabinen tritt ein Kursus-Teilnehmer mittleren Alters hervor und kühlt ein Stück Metall im Wasserbottich ab. Wie alle Teilnehmer trägt er zum Schutz vor Funkenflug eine dicke lederne Weste und lederne Schweißerhandschuhe.

Stolz präsentiert er Karl-Heinz Brand sein Stück Eisen. „Das ist schon sehr schön geworden. Diese Naht hier ist sehr gerade und fast perfekt. Machen Sie weiter so“, lobt der Lehrer den Hobby-Metallbauer und lächelt verschmitzt: „Der Teilnehmer ist von Beruf Arzt und macht das aus Spaß am Handwerk. Man sieht, bei uns kann jeder mitmachen.“

Interessierte können sich unter 0 44 04/98 95 40 beim Marikom für einen Lehrgang anmelden.

Bericht: Kreiszeitung Wesermarsch
Autor: Wolfgang Böner
Foto: Wolfgang Böner



eingepflegt am: 12.10.2012