Ausbildung in neuen Dimensionen

Elsfleth (kan). Die Nachricht schlug bei Lehrern wie Auszubildenden an der Schiffsmechanikerschule ein wie ein Blitz: "Es gab vorher positive Zeichen, dann sah es eher wieder nicht danach aus", beschreibt Rainer Schmele, Abteilungsleiter Seefahrt, die Gefühlslage der vergangenen Wochen. Nun steht es Schwarz auf Weiß: Mehr als 6 Millionen Euro bekommt die Schule für die Verbesserung der Schiffsmechanikerausbildung. Davon entstehen ein Rettungszentrum sowie ein Schwergutsimulator (die Kreiszeitung berichtete).

"Das sucht in Deutschland, wenn nicht europaweit seinesgleichen", sagt Rainer Schmele. "Elsfleth war schon immer der Nabel der maritimen Welt. Das ist nun auf Jahre gesichert." Mit dem Rettungszentrum und dem Kranführungssimulator erhält die Qualität der Schiffsmechanikerausbildung einen enormen Schub. Aber auch in der Weiterbildung – gerade im Bereich Offshore – können so neue Wege gegangen werden. Die 6,2 Millionen Euro sind Fördermittel des Landes, die die Berufsbildenden Schulen des Landkreises (BBS) so schnell wie möglich am Standort in Elsfleth umsetzen wollen. "Unser ehrgeiziges Ziel: die Eröffnung bis zum 31. Dezember 2010", sagt Schmele. Beluga-Shipping gibt 4,5 Millionen Euro dazu. Die Ansiedlung der Anlagen An der Weinkaje ist auf dem noch freien Gelände südlich der Schiffsmechanikerschule geplant.

Wellen, Wind und Dunkelheit

Im Rettungszentrum können die angehenden Schiffsmechaniker Situationen üben, wie sie an Bord kaum möglich sind. "Viele Häfen lassen keine Rettungsübungen zu. Auf See geht es meist auch nicht", so Schmele. Optimal ist es also, den Schülern das während ihrer Ausbildung in Elsfleth beizubringen. "Doch wir haben in der Hunte keine Wellen. Und wir sind abhängig von der Tide." Also wird ein Wellenbad gebaut, in dem Rettungssituationen geübt werden können, etwa das Einsteigen in eine Rettungsinsel oder das Anziehen von Überlebensanzügen. In dem Rettungszentrum können Wellen, Wind und Dunkelheit erzeugt werden. Ein Ventilator an der Decke simuliert einen Rettungshubschrauber.

"Derzeit stehen wir auf einem Turm, rufen: 'Ich bin jetzt der Hubschrauber.' und lassen die Schlinge herab", erzählt Rainer Schmele, wie Trockenübungen bisher ablaufen. Künftig seien die Bedingungen viel realer. "Die Geräuschkulisse, das Wasser, der Wind der Rotorblätter das alles gibt einen Adrenalinstoß."Die Simulation eines Hubschrauberabsturzes aber sei nicht primär Teil der Schiffsmechanikerausbildung. "Das ist eher für die Weiterbildungen gedacht."

Die zweite Anschaffung, der Simulator für das Beladen von Schiffen unter Schwerlast, eröffnet der Ausbildung ein völlig neues Feld. "Das können wir bisher gar nicht üben. Die Schiffsmechaniker gehen an Bord, kriegen die Knöpfe erklärt und es muss losgehen", weiß Lehrer Schmele. Die neue Anlage ist eine nachgebaute Kranbrücke, mit allen Hebeln. "Sie sitzen auf dem Kran auf einem Schiff. Dann müssen Sie bei Wind und Wellengang einen Flügel für ein Windrad 70 Meter hochheben", nennt Schmele ein Beispiel.

Das Üben des Umgangs mit Heavy-Lift-Kränen gibt es so nirgends auf der Welt. "Zugleich trainieren wir das Ausbalancieren des Schiffes, damit es durch die Last nicht kentert, sowie das Arbeiten im Team – an Bord wird kein Kran nur vom Kranführer bedient." Ideen, in die  Schiffsmechanikerausbildung Zusatzkomponenten aus der Offshore-Technik zu integrieren, oder gar ein neues Berufsbild zu schaffen, stehen in der Schule noch am Anfang. "Ja, es gibt Überlegungen. Aber das wird wohl noch dauern", so Schmele.

Auch Klaus-Jürgen Windeck, Dekan der Seefahrtschule, sieht den Entwicklungen auf dem Maritimen Campus mehr als positiv entgegen. "Nächstes Jahr startet der duale Studiengang, der Nautik-Studium und Schiffsmechanikerausbildung verbindet. Da rücken wir ohnehin enger zusammen. Mit den beiden neuen Projekten entwickelt sich das wechselseitige positive Miteinander weiter. "

Erschienen in der Kreiszeitung Wesermarsch am 27.08.09



eingepflegt am: 20.09.2011